Steiner in progress

Meine Vita weist auf einige Berührungspunkte mit Rudolf Steiner hin. Ich halte es für notwendig, an dieser Stelle meiner Homepage etwas darüber zu sagen.

Wie jeder von Ihnen, geneigter Leser, "Ich" nur zu sich selber sagt, so finden wir unter Anthroposophen das Phänomen, dass jeder Rudolf Steiner als seinen persönlichen Vater, als den intimen Freund und Begleiter, als Guru, Gott oder letzte Instanz bezeichnen würde.

Ohne dass ich in einem Anthroposophen- oder Waldorfhaushalt aufgewachsen wäre, war Steiner immer ein Inspirator für mich.

Mit Wohnsitz 'Sylt' lebten wir unter "Heiden", wie ich die Sylter liebevoll bezeichne.

Während heute viele Anthros pubertäre Prozesse durchlaufen, um sich von der Vaterfigur Steiner zu lösen und den Zug der Zeit nicht zu verpassen, hatte ich den Vorteil, dass ich in meinen Jugendjahren Steiner für mich persönlich als geisterweiterndes und befreiendes Prinzip kennenlernen durfte.

 

 

Der Umzug von Frankfurt nach Sylt als Neunjährige führte zu einem Schulwechsel von "Waldorf" nach "Normal". Es kamen uns jede Menge Waldorfer, aber auch andere Exoten, Umweltbewegte und Reformer besuchen.

Nach meinem Kunststudium u.a. in Dornach, wo ich auch in Steiners Privatbibliothek in der R. St.-Nachlassverwaltung einem studentischen Job nachging,
hatte ich viele innere Erfahrungen durchgemacht.

Was die Anthroposophen betrifft, so hatte ich mit ihnen ein hartes Schicksal. Nach Loheland (Bewegungsschule - Examen) und Dornach (Freie Kunst, Malschule Klasse B. Assenza- Diplom), wo ich die studentische Narrenfreiheit genoss, begegnete ich dann mitunter recht festgelegten Personen, die in mir offenbar eine feindliche Bedrohung sahen und die Pforten dicht machten.

Dies ist mir passiert, wann immer ich mich versuchte, in ihren Dienst zu stellen. Ich habe es meinem Schicksal später tausendmal gedankt, dass ich freier Weltbürger bleiben durfte.

 

Wenn ich mich heute gelassen distanziere und das Wichtigste von Rudolf Steiner in zwei Worten benennen sollte, so wäre es:
selbst und frei.

Es ist kein Spaß aber es macht Spaß, Steiners Aufforderung zu folgen: Hinschauen und denken, denken und wahrnehmen, beobachten und denken. Das muss und kann man nur alleine tun. Schon als Jugendliche wusste ich, dass man damit weit gehen und in letzter Konsequenz alles möglich machen kann.

Mit dieser Grundgewissheit im Rucksack bin ich für die Welt ein Anthroposoph und für die Anthros eine Fremde aus der Welt. Jedenfalls sind meine Bilder aus irgendeinem Grunde "so heilig". Übrigens bin ich für die Staatskirchler ein Buddhist und für die Buddhisten wahrscheinlich doch zu sehr" Selbst". Dazu kann ich nur sagen: "Selbst" und "Ständig"!

Das Groteske: Ich bin immer im Zug geblieben und sehe mich als Fundamentalist. Mag sein, dass nicht ich, sondern der Bahnsteig fährt. Auf jeden Fall mag ich lila und das ist auch gut so.

Jeder hat Vater und Mutter:
Nicht Keiner ist meiner

Meiner ist Steiner.

 
   
A.S. Januar 2013
 
                    

Wirklich zu erreichen sind Anthroposophen durch Kraft, nicht durch Sensibilität.

 

Zur Ausstellung Anneli Schwager im Rudolf Steiner Haus Berlin 2017:

Wann und warum zitieren wir Rudolf Steiner, hängen Fotos von ihm an die Wände anthroposophischer Institutionen, welches Bildnis machen
wir uns? „Steiner in Progress“ heißt eine Thematik, in der Fotografien Teil einer Bildcollage werden.

 

Auszug aus der überarbeiteten 3. Auflage:
"Anneli Schwager - Die Komposition im Bild oder das menschliche Maß"

Verlag ars momentum ISBN: 978-3-938193-69-3

Seite 176/177 zu: Steiner in Progress

 

 

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Die äußerliche Bewahrung der Tradition führt genauso wenig weiter, wie die reine Analyse der Lehre: Steiner muss man tun!
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Das Werk des streitbaren Beuys hatte zeitweilig die Anthroposophie aktualisiert. Heute ist Steiner ein Weltbürger und aktualisiert neben vielen anderen Namen auch Beuys. Seine Wandtafelzeichnungen wurden in vielen großen Städten der Erde an prominenter Stelle ausgestellt. 2013 waren sie im Zentrum der Biennale Venedig zu sehen.
Somit ist Steiner unser Zeitgenosse, kein Vertreter der Waldorfschulen oder der Biobranche. Er ist Künstler und ein Star von heute, nicht brauchbar für die Schlagzeilen billiger Zeitungen, sondern Anreger, das Leben unbefangen und ganz neu denken zu lernen.

 

Wenn ich an dem Thema arbeite, liegen Fotos und Fragmente auf dem Boden herum - nicht säuberlich aufbewahrt, sondern als reines Material: befleckt mit Farbe, manchmal zerknüllt. Es schauen mich Steinerportraits an - fragend, spottend, antwortend, schweigend, auch ganz ohne Bezug - je nachdem, wie ich meine Gedanken auf diese Figur projiziere.

Die sinnliche Vorführung Steiners im Bilde verbindet ihn mit dem Betrachter in der Gegenwart und macht ihn zum Zeitgenossen.

A.S. 2014


Steiner hat uns gezeigt, wie wir denken können;

Er hat nicht festgelegt, was.

Das WAS muss konsequenterweise wechseln, sonst stimmt das WIE nicht.

2016

 



 

 

Letzte Bearbeitung dieser Seite: 8. Mai 2017

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