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Vom Leben

„Mich interessiert der Mensch mit allen seinen Facetten – besonders den unerforschten – und meine Malerei ist Ausdruck der Suche nach dem Menschen. Sie erhebt nicht den Anspruch, etwas Wesentliches gefunden zu haben. Aber so, wie eine gut gestellte Frage schon die Antwort enthält, so kann die konsequent suchende Malerei substanziell werden.

Mit der Überzeugung, dass der Mensch grundsätzlich gut ist, überlasse ich die Sozialkritik meinen Kollegen, kümmere mich weder um Moden, noch um längst bekannte psychologische Tatsachen. Der zur Freiheit herangereifte Mensch kann sich und die Welt so denken, dass er sich in jedem denkbaren Ding wieder findet und so eine innere Globalisierung vollzieht. In diesem Liebesakt zwischen Mensch und Welt wird für mich jedes Erlebnis so greifbar real, dass ich meine Malerei als ‚realistisch’ bezeichne, selbst wenn der Betrachter in ihr keine Alltagsdinge wieder findet.

Da der Pinsel dem reflektierenden Geist voraus ist, vermag er zu zeigen, wie die Dinge den Menschen sehen, kurz bevor dieser die ‚Liebenden’ entzweit.

Da stehen sie nen, die Königskinder, und der Betrachter ist aufgefordert, das Wasser abzugraben.“

A.S. 2002


Hast du heute schon etwas Neues gedacht?

Das Dichten und Denken ist zerbrochen. Die Menschheit rennt nach den Bruchstücken, trägt sie auf die Bühne, will mit dem Profansten wahrgenommen werden, exhibitioniert sich.

Das Heilen, das „Ganzmachen“ ist schwer.

Leben ist ein ewiges Pendeln zwischen Zerstreuen, Chaotisieren und Zusammenfinden auf einer stets neuen und umfassenderen Ebene. Das „Ganzmachen“ auf dem Weg zum nächst höheren Plateau ist wichtig!

Kunst ist Religion, und das Darinnensein ist Kommunion.

Solange man noch schön tut und kokettiert mit der Kunst, bewegt man sich in einem gesellschaftlichen Rahmen, den diese zur eigenen Sicherheit abgesteckt hat. Man bewegt sich nach Regeln und Gesetzen, und solange ist die Kunst auch noch angenehm und gesellschaftsfähig.
Wer jedoch einen Einblick in den Schaffensprozeß bekommt, wer miterlebt, dass Kunst ums Ganzwerden ringt und dabei stets von einer Niederlage in die nächste gerät, wird erkennen, dass es sich hier um ein Expandieren, ein notwendiges Grenzüberschreiten, ein Missachten der Gesetze handelt, um einen Akt der Freiheit, an dem er selber im Augenblick des Erkennens teilnimmt.
Und wer will das schon? Freiheit ist nicht bequem … die Kunst auch nicht … der Künstler auch nicht.
Es gibt nur eine Weiterentwicklung: die des Menschen in den Himmel. Der Himmel ist nicht das Jenseits. Der Himmel ist das Ganze. Kunst macht ganz.

Januar 2005, Anneli Schwager

A. Schwager: "Der Mensch", Turm in 5 Bildern, Acryl 20 x 20 cm, 2001

A.Schwager: "Grüner Turm" in 5 Bildern, Acryl, 125/25 cm, 2000
Feuilleton zum Bild "Der Mensch" zitiert nach Dr. Michael Dudley Hier geht es weiter