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Die Bildsujets fangen bei der klassischen Aktmalerei an, der Figur, befassen sich dann mit der "Bühne" für die Figur, der Landschaft. Die Landschaftsmalerei - vielfach ´vor Ort´ - auf Sylt oder in Schweden - nimmt einen großen Bereich in meinem Schaffen ein. Es ist nicht das schöne Panorama, welches mich interessiert, sondern der Lebensraum des Menschen, der mit der Vielzahl seiner Details dessen Äquivalent ausmacht - das ist: die Natur, menschlich gesehen. An der Landschaft interessiert mich am meisten der Horizont, auch der verdeckte, d.h. die Bildtiefe, der Raum, das Eindringen. Die Definition von Perspektive sollte umfassend sein.

   

Wattenmond und Möven

Aryl, Sand und Muschelkalk, 130 x 150 cm, Sylt

 

Ich folge meiner Sehnsucht nach dem Horizont und schaffe einen fließenden Übergang zu dem ´Dahinter´. Hier beginnt die "Innenweltthematik", eine viel ungegenständlichere, für mich zukünftige Malerei. Ich nenne sie auch religiös im Sinne des Wortes. Mein Schwerpunkt ist das Altarbild für den modernen Menschen, der mit dem dualistischen Weltbild, d.h. der Trennung von Himmel und Erde, Geist und Materie so nicht weiterleben kann.
 
Prolog siebenteiliges Klappbild á 80 x 80 cm (in der Abbildung geschlossen)

 

Die Farbe ist für mich weit mehr, als nur ein beliebig austauschbares Kolorit. Sie ist "Hauptakteur" der Grenzüberschreitung zwischen Diesseits u. Jenseits, Drinnen und Draußen, denn sie ist sowohl ein sinnlich Sichtbares, als auch ein übersinnliches eigenwilliges, dynamisches "Wesen", sie ist Persönlichkeit.

Meine Biographie veranlaßt mich, nördliche und südliche Malerei zusammenzufassen. Mit Noldes geistigem Erbe, dem dramatischen Naturerleben und Sinn für "Spökenkiker" verließ ich Sylt, um in der Schweiz und in Italien die Schönheit der Farbe und die französische ´peinture´zu verinnerlichen.

Berlin: Kreuzungspunkt von Nord - Süd, Ost- West, hier erlebe ich eine Spannung und Vielschichtigkeit unter den Menschen, das ideale Klima, um die allerorts erlebten Abenteuer fortzusetzen: kompensiert und für die Menschen umgewandelt in positive zukunftsorientierte Visionen. Diese vermittele ich:

1. als Malerin in Ausstellungen

2. als Dozentin an einem dafür idealen Ort nahe Potsdam: im Lehniner Institut für Kunst und Handwerk

3. als Veranstalterin von Seminaren auf der Insel Sylt.

Prolog

Innenteil des obigen siebenteiligen Klappbildes

 

 

Altarbilder

Der Altar ist der Ort im Leben, an dem die innerlichsten Gespräche stattfinden. Das Altarbild will neben ICH und DU der dritte Gesprächspartner sein. Es vermittelt zwischen dem Subjekt und dem Objekt des Denkens. Als Bild ist es Sinnbild und sinnliches Objekt zugleich, und deshalb vermag es den Menschen dort, wo er steht, abzuholen, denn es ist wie dieser ein "Bürger zweier Welten".

Die innersten Gespräche suchen nach der Überbrückung dieses Doppelcharakters. Es gibt nur eine Welt. Aus dieser "fällt" der Mensch durch seine leibgebundenen Eigenschaften in ein duales Bewußtsein.

Die Altarkunst kann ein Quell sein, der Erkenntnislicht und Erkenntnisliebe ausstrahlt, um die Sterbe- und Leidensprozesse, die der Mensch dabei durchmacht, in Lebens- und Auferstehungsprozesse zu verwandeln. Moderne Altarkunst ist weder traditionell inhaltlich, noch muss sie Mythen enthalten, "Zwischenbilder", die für etwas stehen.

Als Kunst ist sie urbildhaft - frei - und öffnet Wege zu echter und tief gelebter Mystik.

Die Trennung und Zusammenführung der Welt schafft etwas, das es "zuvor" nicht gab: den freien Menschen.

Bildbesprechungen zu religiöser Thematik von Anneli Schwager im Internetforum
www.bildimpuls.de

Urturm

Turm in sieben Bildern á 30 x 30 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über das Bild

 

Es gibt unzählige Maler, die sich bei der Suche nach Echtheit auf quälende Prozesse einlassen und dabei meistens scheitern. Es sind diese Prozesse so anspruchsvoll, wie jedes große Ideal, das auf eine gesunde Weltordnung zielt.
Denn Bildordnung ist gleich soziale Ordnung und damit Grundlage für die Weltordnung.

Ist das Bild gut geworden, soll man es zeigen, denn in ihm ruht eine wohltätige Kraft.

 


Sollst du dir ein Bildnis machen?

Die Welt ist voller Bilder.
Bilder sind Sprache.
Sprache ist Kommunikation.

Kommunikation ist Notwendigkeit.
Notwendigkeit ist die Bedingung zur Wende.
Wende das Blatt.

 

Wie sich Stoff und Form auf der einen Seite des Blattes gegenüberstehen, so werden Formlosigkeit und Stofflosigkeit die andere Seite als Leere erscheinen lassen.

Ein "unbeschriebenes" Blatt zu werden, könnte ein Lebensideal sein.
Vielleicht bedeutet Malen, Reden, Schreiben ( das Schaffen von Bildern - das Kommunizieren über Bilder ), sich die Bilder von der Seele zu arbeiten, damit diese jedes Mal etwas einfacher, klarer, leerer werden kann, bis sie eines Tages frei sein wird.

Wüßten wir, auf welchem Wege ( Form ) und mit welchen Mitteln (Stoff ) Bilder in die Seele eines heranwachsenden Menschen geschrieben werden, um ihn zu einem kommunikationsfähigen Mitglied der Gemeinschaft zu machen ! ...

...Und wüssten wir um die Kraft, die der kommunizierende Mensch aufwendet, um die vielen Bilder zu sortieren, zu ordnen, zu klären und zu verbinden ! ...

...Wir wüssten um das künstlerische Potenzial, das jedem Menschen zur Verfügung steht und das zugleich ein religiöses Potenzial ist.

 

Kunst will nicht Bilder aus der Seele radieren, sie will diese verwandeln. Kunst sammelt und ordnet. Sie trachtet danach, den Urbildcharakter aus einem im Chaos der Möglichkeiten willkürlich erzeugten Bild herauszuschälen.
Der Charakter kommt zum Vorschein, das Urbild bleibt dahinter im Verborgenen :
Ein Bild entsteht.

Anneli Schwager, Berlin, 10. September 2008

 

 

 

Darstellung meiner Arbeit


Als Kind schmolzen mir die farbigen Wachsstifte in meinen Händen. Der Umgang mit ihnen war lustvoll, intensiv und notwendig, weil ich durch Malen etwas ausdrücken konnte, was anders nicht zu sagen war.


Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Umgang mit Malerei war für mich zeitlebens etwas so Selbstverständliches, daß ich, als ich über eine Ausbildung nachdachte, nicht so schnell auf die Idee kam, Kunst/ Malerei "nochmal" zu studieren.
Überhaupt war für mich die Malerei nie ein Mittel der Spekulation, sondern im Gegenteil, eine harte Schule, mich von jedem spekulativen Denkansatz zu befreien.

Was hat man durch Malerei denn noch zu sagen? Ist nicht alles schon gesagt worden? Geraten wir nicht unweigerlich in die Epigonenhaftigkeit?
Wie jeden künstlerisch Schaffenden verunsichern auch mich diese Fragen von Zeit zu Zeit.
Aber solange man überhaupt noch spricht von Mensch zu Mensch, wird immer noch nicht Gesagtes zum Vorschein kommen. Zeitgenossenschaft bedeutet für mich diese authentische Aussage, ganz gleich zum wievielten Male ich ein schon bekanntes Sujet zur Aussage verwende und welcher Stilistik der Kunstgeschichte ich mich dabei verbunden fühle.
Was wirklich neu ist, hat mit der Tatsache zu tun, daß ich aus meiner weiblichen Empfindung spreche. Bei aller männlicher Vorbildschaft ( und Vorbilder klassischer Maßstäbe sind wichtig ) werden wir niemals eine weibliche Sicht- und Erlebnisweise finden. Welch ein riesig kaum betretenes Feld!

Ganz sicher hat meine Malerei etwas mit dem Menschen zu tun, nicht so sehr mit dem Zeitgenossen, d.h. nicht politisch- sozial, sondern allgemeiner: mit der Ideenhaftigkeit des Menschen. Ich bin den Ideen der Instanz auf der Spur, die den Menschen erzeugt hat, und dies nicht im medizinisch - biologischen Sinne, sondern im idealistischen. Wie erlebt sich der Mensch im Raum, in der Zeit, in der Natur, als Mitmensch und in der eigenen Haut?

Da es für solche Erlebnisse keine Begriffe unserer Alltagssprache gibt, kann ich den Betrachtern nur eine Art Poesie anbieten, um am Bilde selber Reflektionen über das Leben zu erzeugen.

Die Art der Welt- und Selbstwahrnehmung hat sich verändert. Darüber meine bildnerische Aussage zu machen, erlebe ich als einen sehr zeitgenössischen Auftrag. Und dabei das wirklich Positive herauszuschälen, es überhaupt ausfindig zu machen, ist eine echte Herausforderung.

Solange ich weitermache, Tag um Tag, erbringe ich meinen Beitrag an die Gesellschaft. Es lohnt sich, dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und durchzuhalten.


Berlin, 12. Nov. 2008

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 

 
 
 

Fotos: Bernd Schmitt

Anneli Schwager im Arbeitsprozess

Actionpainting November 2008

 

 


Katalogneuerscheinung: 2006


Anneli Schwager - Malerei
Mit Texten von Christoph Tannert, Annekathrin Stoll und Anneli Schwager
ISBN 3-937014-42-X

Leseproben aus:
Spiritualität steckt in der Lebensgestaltung des Menschen
Ein Gespräch mit Anneli Schwager von Christoph Tannert
. . .
C.T. Nehmen Sie Bezug auf eine Spiritualität, die frei ist von einem Glaubenssystem?
A.S. Mir geht es darum, Wege ausfindig zu machen, bildliche Entsprechungen, über die ich herauszufinden versuche, was eine entgrenzte Spiritualität bedeuten kann. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir von all dem, was einen Kult ausmacht, so frei sind wie nur irgend möglich. . . .
C.T. . . . Das Leichte und Lockere im Auftrag von Fortissimo-Rot, Warm-Blau und dem Gelb rotierender Sonnen schafft trotz dichter Energiefelde ein Höchstmaß an Durchlässigkeit, durch das so etwas wie Ihr emotionales Credo sichtbar wird. Dabei muß ich an ein Bild denken, das Sokrates von Eros entwirft - eine Kraft zu verkörpern, die gleichzeitig die Liebe antreibt und die Seele sucht.

   


 

Im Dezember 2004 ist von der Firma Boesner im Verlag "ars momentum" ein Künstlerbuch herausgegeben worden:

Künstler, Werk, Material - 77 Künstlerwege, ISBN 3-938193-01-8

Es ist darin ein Beitrag von Anneli Schwager enthalten.

 

Beiträge von Anneli Schwager auch im Boesner Hauptkatalog 2009/ 2010

 

 

 

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